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ESP Förderbeginn prüfen/einstellen mit der "Tröpfchenmethode"
geschrieben von: blacky ()
Datum: 11. Januar 2017 10:49

Hallo Schrauberfreunde,

da ich wirklich lange mit der Einstellung des Förderbeginns gekämpft hatte und zu diesem Thema im MB100-Forum bzw. seiner Werkzeugkiste wenig verwertbares finden konnte, möchte ich hier ein paar Bemerkungen zu meiner letztendlich erfolgreichen Vorgehensweise beschreiben.

Normalerweise verstellt sich der Förderbeginn nicht. Ich hatte allerdings die ESP wegen einer Motorüberholung abgebaut und musste diese neu einstellen.

Zuvor studierte ich im Netz einige Beiträge zum Thema „Förderbeginn ESP einstellen“ und „injection Timing OM616“- leider blieben immer noch einige Fragen offen...

Da die Bequemlichkeit gesiegt hatte, wählte ich zuerst die sogenannte Freispiegelmethode oder „Schraubermethode“ a la Kerzendorf und erzielte nur ein ungenügendes Ergebnis-angry smiley
rauer Motorlauf mit erhöhtem Grobstaubgehalt und schlappe Leistung. Die Ursache des Scheiterns konnte ich leider nicht feststellen.

Also lieber die bilderbuchmäßige „Tröpfchenmethode“ bzw. Niederdruck-überlauf oder Abtropfmethode nach alter Dieselschule anwenden, dachte ich mir.
Hochbehälter und Tropfrohr wie bei M. Kerzendorf beschrieben, ist nicht notwendig. Handvorförderpumpe und die auf die Seite geschwenkte Einspritzltg. von Zyl.1.reichen hier aus.

Die Beschreibung in der Rep.- Anleitung- Bucheli 1024 MB100- ist übrigens auch lückenhaft und führte ebenfalls nicht zum gewünschten Ergebnis!
Hier fehlt der wichtige Hinweis, das während der Prüfung der Betätigungshebel an der ESP auf Vollgas stehen muss und der Unterdruckschlauch von der Unterdruckdose abgezogen sein muss!
Ansonsten ist die Beschreibung auf S.58/59 hilfreich.

Besser finde ich die Beschreibung bei „So wird’s gemacht“ Band 57 Mercedes 200-300D, Seite 59-62. Da diese „Schrauberbibel“ im Netz frei zugänglich ist, verzichte ich aufs Abschreiben und empfehle das sorgfältige Durchlesen dieses Kapitels.

Wichtig zu wissen: Der Kutter besitzt eine M- Einspritzpumpe- deshalb nochmal unbedingt beachten -
Betätigungshebel der ESP während der Prüfung auf Vollgas drücken und Unterdruckschlauch an der Unterdruckdose abziehen!

So wirds gemacht

Bevor es ans Schrauben geht, sollte ein Besuch beim freundlichen Sternenhändler erfolgen.
Ein paar Ersatzteile müssen eingekauft werden:

- Gummidichtring (O-Ring) f. Rohranschluß A 017 997 41 18 Durchm. 15X2
- Kupferdichtring A 004 997 45 40
- Flanschdichtring ESP/Motorblock (falls die Pumpe verdreht werden muss, geht
diese Dichtung leicht kaputt.)

Spezialwerkzeug ist eigentlich nicht nötig, aber der Vielzahnschlüssel zum lösen des Druckventilhalters erleichtert die sowieso etwas umständliche Arbeiten.
Ebenso sollte ein schlanker offener 17 er Vielzahnschlüssel für die Einspritzleitungen griffbereit liegen.

Am Altschnauzer kann bei der „Tröpfchenmethode“ die Handvorförderpumpe
verwendet werden. Beim „Mopf-Kutter“ ohne Handvorförderpumpe kann man sich mit
einer nachgerüsteten Ballpumpe gut behelfen. Dazu gibt es hier Infos.
Die Ballpumpe hat sich inzwischen seit Jahren bei mir bewährt.



Jetzt geht es endlich los:
Beim Kurz-/Altschnauzer muss die Front soweit demontiert werden damit man die
Einstellmarkierungen auf der Schwungscheibe (die nach oben zeigen) gut
erkennen kann. Ich habe am Kühler das Wasser nicht abgelassen sondern
nur den oberen Schlauch abgeklemmt. Der Kühler kann dann komplett mit dem
Querträgerblech, welches mit 6 Schrauben am Rahmen befestigt ist, zur Seite geschwenkt und auf einer geeigneten stabilen Kiste etc. abgestellt werden.
Der Ventildeckel muß ebenfalls abgenommen werden um den OT des 1.Zylinders im Auge behalten zu können. (der 1.Zylinder ist der vorderste )
Wer beim Arbeiten auf Bewegungsfreiheit wert legt kann noch den Fahrersitz und das Lenkrad abbauen.

Die ESP muß folgendermaßen vorbereitet werden.
Einspritzleitg. vom 1. Zylinder abschrauben
Rohranschluß an der ESP öffnen. Hierzu die Spezialvielzahnnuß verwenden oder behelfsmäßig mehrere Sicherungsbleche des Rohranschlusses aufeinanderlegen und mit Gabelschlüssel arbeiten.
Druckventil und Feder entfernen (es reicht auch nur Feder entfernen und Druckventil belassen)
Zusammenbau des Rohranschlusses und Ltg. 1 so montieren das der Rohraustritt zum Fußraum zeigt. Unter den freien Rohraustritt wird ein Becher zum Auffangen
des Diesels gestellt.
Bild

Wenn soweit alles vorbereitet ist kann die Prüfung beginnen.
Jetzt wird ein Gehilfe benötigt. Einer dreht die Kurbelwelle und der andere
beobachtet und pumpt den Diesel. Beim Förderbeginn sollte der austretende Dieselstrahl
in ein Tropfen übergehen. Sobald nur noch ein Tropfen pro Sekunde fliest,ist der Förderbeginn
erreicht. Andere Infoquellen geben an „ca.15 sec. darf kein weiterer Tropfen fallen“
Bei 24° +/-1° vor PMS (OT) sollte dieser Förderbeginn erreicht sein.
Liegt der ermittelte Förderbeginn deutlich daneben, sollte man bevor die ESP verdreht wird die Messmethode nochmal genau hinterfragen. Bis 26° vor PMS ist nach Dieselexpertenmeinung auch noch vertretbar.

Ein falscher Förderbeginn kann zu massiven Motorschäden infolge von Überhitzung und Überlastung führen!
Ein zu früher Förderbeginn (mehr als 28°) belastet Kolben und Zylinderkopfdichtung übermäßig stark!

Das Verdrehen der ESP ist aufgrund der engen Platzverhältnisse eine ziemliche Frickelei...
Diverse 13er Ring- Schlüssel mit unterschiedlichen Kröpfungen sind hilfreich.

Ich hoffe das ich keine wichtigen Details vergessen habe zu erwähnen.
Natürlich würden mich auch eure Erfahrungen mit dem Einstellen des Förderbeginns interessieren.

___________________________________________________________________
Grüße
Blacky
"KUTTER fahren ist nicht normal"
MB100 lang/hoch/alt(3/89)EURA-Ausbau 1.Motor generalüberholt//ca.383Tkm

Kapitän und Maschinist seit 1999 mit Beiboot Suzi DR350
R100CS die Q in alter Frische
Yamaha XS1100 zum ertüchtigen in jeder Beziehung

KUTTERFAHREN- der "entschleunigte" Fahrspass

Schraubst du noch, oder fährst du schon?



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